Begegnung mit dem Feuer Gottes

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Gott, der auf krummen Zeilen gerade schreibt, hat es gefallen, zuzulassen, dass die erste christliche Jugendgruppe, der ich mich nach meinem Bekehrungserlebnis anschloss, zerbrach. Und das auf sehr unschöne Weise. Doch zuvor hatte man mich ohnehin hinausgeworfen. Es hatte Vorfälle gegeben, die man heute vielleicht als „geistlichen Missbrauch“ bezeichnen würde — jedenfalls galt ich als zu umtriebig, zu penetrant und zu begeistert. Vielleicht war ich das auch. Und so war ich 17, voller Leidenschaft und voller Ideen, doch ohne Gruppe. Eher zufällig trafen sich ein paar -„Ehemalige“ besagter Jugendgemeinschaft einige Zeit später und überlegten mit mir, wie es weitergehen könnte — Django, Ursula und Franz-Josef. Beim Kaffee kam die Idee, sich öfter zu treffen. Ein ganzes Wochenende lang. Und so entstand spontan und keineswegs von mit so beabsichtigt unter meiner Leitung eine Jugendgruppe, die sich den skurrilen Namen „FCKW“ gab („Fröhlich, charismatisch, katholisch sind wir“: Wir hörten nie auf, uns für diesen Namen zu schämen, und doch blieb er). Wir trafen uns am Wochenende, hatten eine gute Zeit zusammen, machten Lobpreis. Und von Anfang an waren „Neue“ dabei, also befreundete Jugendliche, die dem Glauben noch fernstanden. Viele bekehrten sich und alles war ein großes Abenteuer. Unsere Veranstaltungen wuchsen, wir hatten viel Spaß zusammen und alles trug sich wie von selbst durch die Teenager — eigentlich der Traum vieler Jugendmitarbeiter. Doch irgendwann im Frühjahr 1999 saßen ein paar Freunde und ich bei mir zu Hause im Kerzenlicht. Und tauschten verschwörerische Blicke. Der Beginn einer kleinen, verrückten Idee. Ich liebe sie bis heute, diese Verbrüderungen der Unzufriedenen. Und unzufrieden waren wir.

Ich hatte wilde Sachen gelesen. Yonggi Chos Buch Gebet — Schlüssel für Erweckung mit seinen Berichten über die Gebetsberge in Korea. Und von Gebetshelden wie John Hyde und Daniel Nash, die allesamt Gottes überwältigendes Wirken als Frucht von Gebet erlebt hatten. Unsere Jugendgruppe lief gut, doch da gab es ganz offensichtlich so viel mehr! Unzufrieden waren wir auch mit unserem eigenen geistlichen Leben. Wir bekannten einander spontan, wie es wirklich damit aussah und was sich dringend ändern musste. Plötzlich stand eine frische Begeisterung im Raum: Es musste etwas geschehen! Doch was?

Ich holte mir all die Geschichten in Erinnerung, die ich gelesen hatte. In allen hatten anhaltendes Gebet und meistens auch Fasten eine Rolle gespielt. Sollten wir einmal etwas ganz anderes versuchen? Mit abenteuerlustigem Blinzeln in den Augen verabredeten wir uns: Wir würden uns für ein Wochenende gemeinsam zurückziehen und nur fasten und beten.

Gesagt, getan. Das Ereignis selbst war wenig eindrucksvoll. Das Haus, in dem wir uns trafen, war schlecht geheizt. Wer fastet, friert besonders leicht. Das führte dazu, dass wir die meiste Zeit des Tages im einzig warmen Raum zusammensaßen: in dem Gruppenraum, den wir als „Gebetsraum“ eingerichtet hatten. Und so beteten wir tatsächlich das ganze Wochenende, mit neun Leuten. Es fühlte sich alles andere als besonders an. Dennoch hat dieser erste kleine Versuch mit dem dauerhaften Gebet etwas mit uns gemacht. Wir verspürten den Wunsch, so etwas noch einmal zu machen. Und so kam es, doch auch diesmal passierte nichts spürbar Besonderes. All das war äußerlich so unscheinbar wie die Beugung des Fingers am Abzug.[1]

Kraft Gottes

Otting, ]uni 1999

Im Juni schließlich steht das nächste reguläre Jugendwochenende an. Es kommen etwa 35 Teenager. Bestimmt zehn davon sind zum ersten Mal dabei. Sie trotten die Treppe hoch, legen ihre Schlafsäcke auf die Betten und albern bis spät in die Nacht. Zum Essen gibt es Schinkennudeln und in kurzen Impulsen erzählen ihnen andere Teenager von Gott. So wie jedes Mal. Und dann kommt der Samstagabend. Und mit ihm der Schock. Mit ihm der Knall.

Der Ablauf eines solchen Abends bei FCKW ist ziemlich simpel: sehr langer Lobpreis, mindestens zwei Stunden. Also eine Gitarre, rockige Lieder und viel Begeisterung. Und dann immer die Möglichkeit, eine persönliche Entscheidung für Jesus zu treffen und segnendes Gebet zu empfangen. Ich bin der Lobpreisleiter und habe alle meine Lieder und den geplanten Ablauf auf einen Zettel geschrieben. Doch plötzlich kommt es sehr, sehr anders.

Nicht selten beten oder singen wir Dinge wie „Komm, Herr!“ oder „Herrsche unter uns, brich herein ...“ — all das sind schöne Gebete. Doch ich musste lernen, dass es etwas ganz anderes ist, wenn Gott das dann tatsächlich tut... Es fühlt sich an, wie versehentlich den Abzug einer Maschinenpistole erwischt zu haben.

Hier stehe ich mit meiner Gitarre inmitten all der singenden Jugendlichen. Und wenn ich nicht selbst dabei gewesen wäre, würde ich es vielleicht nicht glauben. Doch während des zweiten Liedes kommt er. Kommt er. Und übernimmt die Kontrolle. Und das sieht so aus: Ohne, dass jemand sie berührt, beginnen Einzelne, umzufallen. Bum! Nein, niemand hat einen Schwächeanfall, niemand wird ohnmächtig. Und niemand wird geschubst. Die Betroffenen berichten, sie seien von der Kraft Gottes überwältigt worden. Es passiert ohne Vorwarnung und natürlich ohne Absprache: Im ganzen Raum fallen Jugendliche um und bleiben liegen.

Nun ist es ein bisschen schwierig, einen Abend sinnvoll zu leiten, wenn die Beteiligten alle plötzlich umfallen. Ein gewisses Befremden packt mich. Es wird nicht besser, denn ... alle fallen um. Auch Teilnehmer, die zum ersten Mal dabei sind, und viele, die absolut nicht wissen, dass es so etwas gibt (die charismatische Szene nennt das „Ruhen im Geist“): Niemand von uns hat das auf diese Weise schon einmal erlebt. Und was passiert dann? Zunächst bricht einfach heiliges Chaos aus. Und ich befinde mich mittendrin und spiele Gitarre ...

Einige liegen ganz ruhig am Boden und berichten hinterher, den Frieden und die Liebe Gottes auf tiefe Weise erfahren zu haben. Andere beginnen laut zu weinen, weil Gott Bereiche intensiven Schmerzes in ihnen berührt. Andere lachen, weil sie Gottes Freude in sich spüren, andere haben Visionen der geistlichen Realität, einige sogar über lange Zeit hinweg. Der Abend geht bis Mitternacht und nur eines wird mir klar: Jemand hat mir die Leitung aus der Hand genommen! In alledem jedoch die überwältigende Präsenz von etwas Heiligem. Von jemand Heiligem.

FCKW ist danach nicht mehr wie zuvor. Wir erleben solche Kraftbezeugungen Gottes nun bei allen Treffen. Jugendliche werden geheilt, bei Einzelnen werden Verstrickungen und dämonische Ketten gesprengt, prophetische Eindrücke, Visionen und Bilder sind ganz normal. Während man vermuten könnte, dass viele Teenager mit solchen Erfahrungen völlig überfordert wären, erleben wir das Gegenteil. Auch solche, die zum ersten Mal da sind, werden nicht nur nicht abgeschreckt, sondern sind absolut fasziniert. Tatsächlich verdoppelt sich die Größe unserer Gruppe innerhalb der folgenden Monate. Schon bald bin ich Leiter von fast hundert Jugendlichen. Ich selbst habe keinerlei Training oder Ausbildung darin und fühle mich ziemlich überfordert. Ich beginne sogar zu beten, diese intensive Ausgießung des Heiligen Geistes möge aufhören, weil ich als Leiter nicht weiß, wie ich damit umgehen soll. Doch eine Lektion lerne ich ein für alle Mal: Fasten und Gebet setzt eine Kraft frei, die schier unglaublich ist.[2]

Kampf

Tirol, Februar 2008

Wieder einmal begleitet mich Tom. Wie schon so oft bin ich unterwegs zu einer Gruppe von Jugendlichen, denen ich von Jesus erzählen werde. Doch diesmal ist es nicht einfach. Es ist ein kleiner Haufen Teenager, irgendwo auf einer Berghütte in Tirol. Nudeln mit Tomatensoße, Kicker, Schlafsäcke: das Übliche. Und doch soll ich an diesem Wochenende etwas Entscheidendes lernen, was an meine „Power-Erfahrung“ von 1999 anknüpft. Und etwas, das für immer mein Bild vom „fruchtbaren“ Dienst in Gottes Reich prägen soll. Doch alles der Reihe nach.

Am ersten Abend erzähle ich von meinem Weg mit Jesus. Am nächsten Morgen über irgendetwas anderes. Ich bin witzig, meine Vorträge sind voller packender Geschichten und Beispiele. Doch im Gegensatz zu sonst scheine ich nicht zu den Jugendlichen durchzudringen. Die Jugendlichen? Na, ganz normale eben. Zwei Mädchen spielen mit ihren Handys, eine andere kichert, die Aufmerksamkeit ist mäßig. Dann kommt der Nachmittag. Ich spreche über Sex. Das ist das Thema, das normalerweise alle aus der Reserve lockt oder zumindest brennend interessiert. Doch auch hier: schleppende Reaktionen, der Funke scheint nicht überzuspringen. Später ist ein „Heilig-Geist-Abend“ geplant, weil der ebenfalls noch jugendliche Leiter sich wünscht, dass etwas passiert. Doch mit diesen Ausgangsbedingungen — was soll da schon passieren? Meine bisherigen Botschaften haben nicht gezogen, wir haben auch keine Band, von der ich erhoffen dürfte, dass sie die Leute mitreißen würde. Ich fühle mich ratlos, denn auch die einfachsten Lektionen des Gebets muss ich irgendwie immer wieder neu lernen ...

Es ist 17.45 Uhr und Tom und ich ziehen uns zum Gebet in unseren sehr rustikalen Schlafraum zurück. Um 19 Uhr soll der Gebetsabend beginnen, und ich habe keine Ahnung, wie der ablaufen soll. Wir beginnen, frei zu beten. Innerhalb weniger Minuten spüre ich etwas. Und ohne nach links zu blicken, weiß ich, dass Tom das Gleiche spürt. Es ist, als senke sich eine schwere Decke über uns. Es ist, als könnten wir spüren, dass da wirklich Schwere, Dunkel und ein Nebel sind, die das Licht Gottes daran hindern, zu diesen Jugendlichen durchzudringen. Wie von einer Last zu Boden gedrückt, knie ich mich auf meine Isomatte. Nur wenig später liegt auch mein Kopf auf dem Boden. Ich ringe. Oder besser gesagt: etwas hat mich gepackt. Nicht mehr ich bete, sondern es betet mich. Tom neben mir empfindet offensichtlich exakt dasselbe. Auch er auf dem Boden, auch er wie niedergedrückt von einer geistlichen Last.

An einer Stelle spricht Paulus davon, für die Gläubigen Geburtswehen zu erleiden (Galater 4,19). Ich habe von Gebet, das wie Geburtswehen ist, schon gehört, aber es bislang noch nie erfahren. Doch Geburtswehen macht man nicht, sie kommen über einen. Und über mich kommt in diesem Moment ein solcher Schmerz, ein solches Kämpfen um die Seelen dieser jungen Menschen, dass es mich zu Boden drückt. Es bricht aus uns heraus: ein Seufzen, ein Klagen, ein Zu-Gott-Schreien. Es fühlt sich nicht angenehm an, sondern wie ein Kampf. Und doch ist es das Einzige, was wir gerade tun können. Und es hört nicht auf. Es hört über eine Stunde nicht auf.

Die Uhr schlägt, es ist eigentlich Zeit, das Gebet abzubrechen und das Programm zu beginnen. An dieser Stelle wäre es so logisch, mit dem Beten aufzuhören. Doch es gehört zu dieser Lektion, es nicht zu tun. Ich spüre, dass das jetzt nicht richtig wäre. So gehe ich zum Leiter der Gruppe und sage ihm: Der Beginn des Abends wird verschoben, wir haben noch keinen Durchbruch im Gebet. Die Jugendlichen werden zurückgeschickt zu ihren Freizeitaktivitäten und ich gehe zurück in den Schlafraum. Es geht nicht anders. Kaum betrete ich ihn, trifft mich wieder die gleiche Last mit der gleichen Intensität. Es fühlt sich an, als sei ein großer, bedrohlicher Feind plötzlich in unser Fadenkreuz geraten, und alles, woran wir noch denken können, ist, beständiges Gebet wie Trommelfeuer aufrechtzuerhalten.

Viele Minuten später. Plötzlich ... So augenblicklich, wie es gekommen ist, ist es weg. Ich realisiere, dass ich aufgehört habe zu beten. Ich bemerke, dass ich ruhig werde. Auf einmal füllen ein Friede und eine Leichtigkeit den Raum. Der Blick nach links zeigt mir, dass auch Tom aufgehört hat zu beten und nun ganz ruhig dasitzt. Mit verschwörerischem Augenblinzeln verständigen wir uns sofort: Jetzt können wir anfangen![3]

Feuer Gottes

Der Abend beginnt schmucklos. Keine Band, keine Spiele, keine Geschichten. Ich spreche zehn Minuten. Es ist das reine, schlichte und radikale Evangelium. Du musst von Neuem geboren werden. Willst du Jesus folgen? Es wird dich alles kosten, es wird die radikalste Entscheidung deines Lebens. Doch eine, die sich unendlich lohnt. Ohne Verzierungen, ohne Späße. Die vorhin noch kichernden Teenies sitzen wie vom Donner gerührt. Und wer diese Entscheidung nun treffen wolle, der solle hier vor den Augen seiner Freunde aufstehen und nach vorne kommen.

Diese Jugendlichen — dieselben, die sich in den Einheiten zuvor so gar nicht begeistern ließen. Die so cool waren und „drüberstanden“. Es dauert keine Sekunde, da stehen, ja springen alle auf und strömen nach vorne. Ich leite sie in ein einfaches Gebet: Vater, danke, dass du mich liebst und dass Jesus für mich gestorben ist. Jesus, ich kehre um von meinen schlechten Wegen, bitte vergib mir. Ich will dir heute mein Leben übergeben und das Geschenk deines Kreuzes annehmen. Ich will dir nachfolgen. Amen.

Schon während dieses Gebets fangen die Ersten an, heftig zu schluchzen, einer beginnt zu zittern. Auch hier wieder: Dies ist kein charismatisches Setting, diese Jugendlichen wissen nicht einmal, dass es so etwas gibt. Wir beginnen nun, ein einfaches Lied zum Heiligen Geist zu singen und für jeden Einzelnen zu beten.

Es ist, als wären unsere Hände mit Starkstrom geladen. Bei der Berührung fällt der Erste zu Boden, wie vom Blitz getroffen. Ebenso der Zweite, die Dritte ... Viele beginnen laut zu weinen, zu schluchzen, zu schreien. Eine andere beginnt zu lachen und immer wieder „Danke, Jesus!“ zu wiederholen. Heiliges Chaos, einmal mehr. Als schließlich der Ortspfarrer spontan zu Besuch kommt und in einen halbdunklen Raum tritt, wo überall weinende, lachende oder schlicht glückliche Jugendliche am Boden liegen, kann ich mir nicht anders helfen als mit einem kleinen Trick. Erklären kann ich in aller Kürze ohnehin nicht, was hier vor sich geht. So bitte ich ihn, in einem benachbarten Raum für Beichte und Gespräch zur Verfügung zu stehen. Er lässt seinen Blick noch einmal über die ungewöhnliche Szene gleiten und geht dann in das Zimmer. Morgen werde ich ihm irgendwie erklären, was hier gerade passiert ...

Doch als er am nächsten Tag wiederkommt, sagt er: „Also, was das gestern Abend war, kann ich zwar nicht sagen. Aber ich kann sagen, dass jeder einzelne dieser Jugendlichen zum Beichten kam, und solche Beichten habe ich noch nicht oft gehört Später erfahre ich, dass sich ein Mädchen aus einer buddhistischen Familie hat taufen lassen. Der Abend ist ein großer Sieg für das Reich Gottes und ein mächtiger, nachhaltiger Durchbruch im Leben dieser Jugendlichen. Für immer habe ich die Lektion gelernt: Es gibt einen Unterschied zwischen Verkündigung mit Kraft und ohne Kraft. Und was macht den Unterschied? Gebet. Einmal mehr das Gebet.[4]

Einzelnachweise

  1. Johannes Hartl, In meinem Herzen Feuer, meine aufregende Reise ins Gebet, SCM R. Brockhaus, Stiftung Christliche Medien, 8. Auflage 2017, ISBN 978-3-417-26610-8, S. 72-74
  2. Johannes Hartl, In meinem Herzen Feuer, meine aufregende Reise ins Gebet, SCM R. Brockhaus, Stiftung Christliche Medien, 8. Auflage 2017, ISBN 978-3-417-26610-8, S. 74-76
  3. Johannes Hartl, In meinem Herzen Feuer, meine aufregende Reise ins Gebet, SCM R. Brockhaus, Stiftung Christliche Medien, 8. Auflage 2017, ISBN 978-3-417-26610-8, S. 161-162
  4. Johannes Hartl, In meinem Herzen Feuer, meine aufregende Reise ins Gebet, SCM R. Brockhaus, Stiftung Christliche Medien, 8. Auflage 2017, ISBN 978-3-417-26610-8, S. 163-164